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Ladakh

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Ladakh - Reisen zum Juwel am Dach der Welt



Ein gewisser Mythos umgibt das Königreich Ladakh in der westlichen Himalaya-Region. Wild zerklüftete Bergmassive, bizarre Täler und fruchtbare Oasen bestimmen die Landschaft. Zwei Landwege führen nach Ladakh, das übersetzt "Land hinter den hohen Pässen" heißt. In dieser Abgeschiedenheit prägen Arbeit, Tradition und Religion das herzliche Miteinander der Einheimischen.

Indiens höchstgelegenes Siedlungsgebiet ist nominal zwar Königreich, gehört jedoch zum Bundesstaat Jammu/ Kashmir. Eingerahmt vom Karakorum-Gebirge im Norden und Westen, an der Grenze zu China und Pakistan, sowie vom Hauptkamm des Himalaya im Süden, war Ladakh schon immer schwer zugänglich, und bis vor gut 25 Jahren war Ausländern die Einreise verboten. Was einerseits eine Isolation der Ladakhis bedeutete, trug andererseits zum Erhalt einer einmaligen Kultur bei.

 

Ein außergewöhnlicher Lebensraum

Auf einer Landfläche so groß wie Bayern ist nur ein halbes Prozent bewohnbar. Siedlungen finden sich in den fruchtbaren Flußtälern, die auf einer Höhe von etwa 3.500 m liegen. Das Grün dieser Oasen konkurriert in den kurzen Sommermonaten mit bizarren grauen Felsformationen, weichen rötlichen Bergzügen und den ockerfarbenen Sanddünen der Hochgebirgswüsten. Die klare Luft in diesen Höhen bringt fast unwirkliche Farben hervor, und auch der Himmel scheint blauer zu sein als anderswo. Glitzernd weiße Schneegipfel, einsame Seen und rauschende Flüsse ergänzen das beeindruckende Naturschauspiel. Schon ein Sprichwort aus dem Sanskrit besagt: Hundert göttliche Zeitalter würden nicht reichen, um alle Wunder des Himalaya zu beschreiben - und das gilt auch für Ladakh. In dieser unendlichen Landschaft bleibt nur Raum für das Wesentliche, Nebensächlichkeiten verschwinden.


   

Die Ladakhis - eine herzliche Mischung

Mag Ladakh auch den Beinamen "Klein-Tibet" tragen und von seinem Nachbarn stark beeinflußt worden sein, ist der eigene ethnische und kulturelle Charakter äußerst präsent. Die ersten Bewohner (ca. 5. Jh. v. Chr.) dieses Landstrichs am Schnittpunkt einstiger wichtiger Handelsstraßen waren Völker indoarischen Ursprungs, die der Bön-Religion anhingen. Mit dem Zuzug tibetischer Hirten fand dann der Buddhismus seinen Weg nach Ladakh. Erst im 8. Jh. n. Chr. brachte der in Kashmir geborene Gelehrte Padmasambhava den sogenannten tantrischen Buddhismus in den Himalaya und wurde damit zum Begründer des tibetischen Buddhismus'. Doch auch die Welle der Islamisierung setzte - vor allem in der künstlerischen Ausdrucksform - ihre Akzente in dieser Region. Wer die rauhe Gebirgsregion als Lebensraum wählt, muß sich dem Land anpassen. So ist das Leben der Menschen geprägt durch ihre Umwelt, durch den Lauf der Jahreszeiten, die Gemeinschaft, ihre Traditionen und die Religion. Es sind nur vier kurze Sommermonate, in denen die Ladakhis fast die gesamte Arbeit des Jahres erledigen - das Klima bestimmt den Rhythmus. In dieser Zeit wird für alles gesorgt, was notwendig ist: Nahrung, Kleidung und Behausung. Die Ernährung ist hauptsächlich vegetarisch und besteht aus selbst angebautem Getreide sowie einigen Gemüse- und Früchtesorten. Der berühmte Buttertee und "chang", starkes, selbstgebrautes Gerstenbier, sind die bevorzugten Getränke der Ladakhis. Während der übrigen acht Monate widmen sich die Menschen vorwiegend traditionellen Festen, dem Geschichtenerzählen und Musikmachen. In den größeren Städten hat sich das Leben verändert. Leh, die Hauptstadt Ladakhs und einstiger Knotenpunkt der alten Seidenstraße, hat heute etwa 10.000 Einwohner. Trägt die Altstadt am Fuße der eindrucksvollen Festung noch fast mittelalterliche Züge, ist der westliche Einfluß auf die neueren Stadtteile nicht zu übersehen. Und mit Gasthäusern, Restaurants, Antiquitäten- und Souvenirläden hat man sich auf Besucher aus aller Welt eingerichtet.

       

Tibetischer Buddhismus in Ladakh

Bereits im 11. Jahrhundert entstanden erste Klöster in Ladakh und sie entwickelten sich zu religiösen und kulturellen Zentren. Etwa 300 Jahre später wurde durch den Einfluß des Gelbmützenordens aus Tibet das Mönchtum geprägt. Ziel war es, einen Klerikalstaat nach tibetischen Vorbild zu schaffen. Dagegen wehrten sich die Ladakhis mit Hilfe des islamischen Kashmirs, was später auch zur Annektion durch Indien führte. Ungeachtet der politischen Zugehörigkeit lebt in Ladakh die Tradition des tibetischen Buddhismus und hat Land und Leute über Jahrhunderte hinweg geprägt. Wer diese Region in Indiens nordwestlichstem Bundesstaat bereist, begegnet auf allen Wegen Zeugnissen der buddhistischen Religion: Jedes Dorf hat sein Kloster (gompa), jeder Pfad seine Gebetssteine (chörten), viele Anhöhen ihre Gebetsfahnen, die die Anliegen zu den Göttern und in die Welt hinaus tragen mögen. Letztlich ist es auch der Zugehörigkeit zu Indien zu verdanken, daß so viele der Bauten erhalten geblieben sind. Sie wurden nicht - wie in Tibet - Opfer der chinesischen Kulturrevolution. Viele Tibeter sind in den 60-er Jahren ins benachbarte Ladakh geflohen, um ihre Kultur und Religion leben zu können. Nur etwa vier Kilometer von Ladakhs Hauptstadt Leh entfernt, befindet sich im Ort Choglamsar eine der größten tibetischen Gemeinden: eine Schule für buddhistische Philosophie und der Jeevan Sthal, eine kleine Residenz des Dalai Lama. Dessen Exilheimat ist das indische Dharamsala.

Klöster und Feste

Die zahlreichen Klöster Ladakhs zählen zu den Hauptattraktionen für viele Reisende. Manche schmiegen sich wie überdimensionale Schwalbennester in luftiger Höhe an bizarre Felsformationen. Andere liegen nahe der fruchtbaren Siedlungen inmitten von Aprikosenhainen und Rosenbüschen, die im Sommer üppig blühen. Nicht alle Klöster gehören dem gleichen Orden an, und es gibt unterschiedliche Auffassungen über Glaubensfragen. Grundsätzlich sind sie sich einig darüber, die vielen lokalen Gottheiten aus der vorbuddhistischen Bön-Religion und andere Einflüsse zu akzeptieren und in ihre Lehre zu integrieren. Buddhistischer Glaube sowie vorzeitliche Mythen und Legenden finden ihre farbenprächtige Darstellung in den herrlichen Wandmalereien der Klöster. Wirklich lebendig wird die religiöse Tradition aber bei den Klosterfesten und Maskentänzen, die vorwiegend in den Wintermonaten stattfinden. Tantrische Magier vertreiben zur Musik von Trommeln und Becken mit ihren Tänzen die bösen Geister. Andere Figuren mit reich verzierten Masken mahnen zur Einhaltung der Lehren und fröhliche Kindertänze geben den Festen ihre Leichtigkeit. Von diesen feierlichen Höhepunkten des Jahres abgesehen, ist das klösterliche Leben eher ruhig. Die Tage der Mönche sind angefüllt mit Arbeiten, Beten, Meditieren, Philosophieren und Lehren. Die Inhalte altüberlieferter Schriften (thangkas), sorgsam verwahrt in Seidentüchern, sind Basis für religiöse Diskussionen. Wer daran teilnehmen darf, bestimmt die strenge Hierarchie, die auch darüber hinaus das Zusammenleben der Mönche regelt. Wer für eine Weile der Hektik unserer Breiten entkommen möchte, kann sich diesen Wunsch in Ladakh, am Dach der Welt, erfüllen. Auch die Ruhe eines Klosters läßt sich nun erspüren - im neu errichteten Kloster Thagchokling im Dorf Ney, das Treffpunkt spiritueller Menschen aus allen Kulturen und Religionen sein möchte.






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