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Süddeutsche Zeitung
Zeitraum: 3. Februar 2004
Auflage: 426.500
Nachgefragt: „Wer hat Angst vor der Vogelgrippe"
Reisewarnungen gibt es nicht, doch die Empfehlungen für Asientouristen zum Umgang mit der berüchtigten Vogelgrippe häufen sich. Ein Gespräch mit Asienreisen-Spezialist Horst Leibacher.
SZ: Spüren Sie bei Ihren Kunden die Angst vor der Vogelgrippe – gab es bereits Stornierungen?
Leibacher: Nein, Stornierungen hatten wir noch nicht. Es ist lediglich eine gewisse Zurückhaltung bei den Buchungen zu spüren. Von einer Panik zu sprechen, wäre in diesem Zusammenhang allerdings absolut falsch. Was zum Beispiel die Lungenseuche Sars verursacht hat, löst die Vogelgrippe bei weitem nicht aus. Allerdings war auch Sars, wenn man sich die Zahl der Opfer anschaut, ja relativ überschaubar. Es sind daran weniger Menschen gestorben, als in Bayern jeden Winter an einer normalen Grippe sterben. Das Thema wird vor allem von den Medien groß aufgebaut. Den wirtschaftlichen Schaden haben die betroffenen Länder wie Thailand oder Vietnam.
SZ: Das Tropeninstitut empfiehlt Asientouristen Grippe-Impfungen. Was raten Sie ängstlichen Kunden?
Leibacher: Asienreisende sind nicht gerade die prinzipiell ängstlichen Menschen. Wer exotische Destinationen ansteuert, lässt sich ja generell auf ein kontrolliertes Abenteuer ein. So wie wir und andere die Reisen anbieten, reisen die Kunden in einem geschützten Umfeld und können selbst entscheiden, wie weit sie sich auf die Kultur und die Menschen einlassen. Wer ängstlich ist, dem empfehle ich, nicht in diese Länder zu fahren.
SZ: Weil in Asien auch andere Abenteuer als die Vogelgrippe-Gefahr warten?
Leibacher: Natürlich, deshalb fahren die Leute ja hin. Man lässt sich bewusst auf etwas ein, das Abenteuergefühle erzeugt. In Kontrolliertem Rahmen, versteht sich.
SZ: Kontrolliert heißt: Man wird die Touristen-Gruppen nicht mehr auf vietnamesische Geflügel-Märkte führen?
Leibacher: Zum Beispiel. Das Risiko lässt sich ja relativ einfach eingrenzen.
SZ: Ist das Asiengeschäft – erst Sars, dann Vogelgrippe – insgesamt schwieriger geworden?
Leibacher: Prinzipiell sehe ich nicht, dass es schwieriger geworden ist, denn das bringen asiatische Destinationen ohnehin mit sich: Die aus unserer Sicht sehr fremden Reiseziele ziehen nicht die Hauptströme des Tourismus an. Prozentual liegen wir da bei zehn, fünfzehn Prozent. Nach Asien ist schon immer die Ausnahme der Kunden gereist.
SZ: Und diese Ausnahmekunden lassen sich nicht so schnell verschrecken?
Leibacher: Genau. Einige Leute warten mit der Buchung ab, wie sich die Geschichte entwickelt, oder sie weichen auf andere Destinationen in Asien aus, in denen es noch keine Fälle von Vogelgrippe gab. In diesen Ländern haben wir sogar weiterhin steigende Buchungszahlen.
Interview: Philip Wolff / Foto: cath
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