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Die Welt
Zeitraum: August 2004
Auflage: 221.207
Farben-Cocktail zum Aperitif
How much? Tuhandled? "Yes, Sir", höflich wie abgebrüht kommt die Antwort. Da will aber einer zulangen. Dabei möchten wir nur ins Restaurant Mango Tree. Zum Abendessen. Und als Aperitif ein bisschen Adrenalin tanken. in einem knallbunten Tuk-Tuk mitten durch Bangkoks Dauerverkehrskollaps...
Karg sitzt man Open-Air unter einem leicht gewölbten Trapez von Dach auf einem harten, schmalen Bänkchen und dem Fahrer im Genick. Das ist überhaupt nicht gemütlich, aber die Stadt und ihr Tempo erlebt man dafür ungebremst. Seit sie mit Gas gepowert werden, bescheren Tuk-Tuk-Ausritte auch keine Hustenanfälle mehr wie früher. Selbst gutgekleidet - in Blazer oder Cocktailkleid - sitzt man da ganz prima. Mühelos jonglieren die "Piloten" ihr wendiges Knatter-Dreirad nur um Haaresbreite an anderen Flitzern der Elfmillionen-Metropole vorbei. Besonders schön ist es nach Einbruch der Dunkelheit. Wenn beim Bremsen die Handvoll Plastikleuchten im "Passagierraum" der Blitzgefährte in Bonbonfarben jeweils kurz aufleuchten und ihren Beitrag zum glitzernden Lichterzirkus Bangkoks leisten. Wie Kirmesgondeln. Für flackernde Momente werden die Fahrgäste unter dem Blechdach zu grell geschminkten Clowns. Airbag? Sicherheitsgurte? Nicht daran zu denken! Man hält sich entweder aneinander fest oder lässt gute Sitten gute Sitten sein und bremst die Fliehkraft des eigenen Körpers dadurch ab, dass man die Füße fest gegen die Rückenlehne des Fahrers stemmt (man soll in Thailand nie die Füße gegen jemand richten). Längst haben sich da die Hände instiktiv am Dachgerippe festgekrallt, stößt das Adrenalin als Kribbelschock in die Fingerspitzen vor. In Kurven lehnt man sich einfach in selbige, aber um Gottes Willen nicht zu weit in diese, etwa über den Tuk-Tuk-Rand hinaus. Es sei denn, man hat zufällig einen Sicherheitshelm dabei und trägt zum Abendessen gerne Gepolstertes. Tuk-Tuks sind nicht die sichersten Fahrzeuge. Man weiß es und betritt sie auf eigene Gefahr. In Sachen TÜV lautet die Fehlnanzeige total, und die Fahrer...
Ob sie alle einen properen Führerschein besitzen...
Der Großteil der Gefährte gehört wenigen Besitzern, die sie verleihen, was das Vertrauen auch nicht gerade erhöht. Und dennoch ist das sehr schade: Tuks-Tuks sind eine aussterbende Spezies. Bangkoks Sky Train und die neue Metro werden sie weiter dezimieren. Sich einen Tuk-Tuk-Trip zu gönnen, bevor der Spaß vorbei ist, ist in Bagkok also schwerst angesagt.
Damit solch eine Tour auch so richtig prickelt, möchte man natürlich nicht zuviel bezahlen. Ein Tuk-Tuk nämlich hat weder einen Taxameter noch gibt es feste Tarife. Gnadenlos herscht hier der Markt. Man feilscht. Dass man als Tourist ohnehin utopische Summen bezahlt verglichen mit dem bescheidenen Obolus den Einheimische entrichten, ist klar. Aber als Tourist möchte man auch nicht wie alle anderen Touristen über den Tisch gezogen werden. Man möchte das weltmännisch regeln. Und das geht so: Man kommt etwa aus dem "Oriental" und lässt die hoteleigene, samt weiß livrierten Chauffeurs links liegen. Man biegt nach links in die "Oriental Avenue" ein. Beiläufig kontaktiert man die hier besonders gelangweilt in Pulks wartenden Tuk-Tuk-Piloten und benennt zunächst lediglich das Ziel. Das ist schwierig genug, denn oft wird unter vermeintlich identischen Lauten völlig verschiedenes verstanden. Erster Versuch in Oxford-Englisch mit "Mango-Tree-Restaurant, ok"? Ok! Klappt tadellos. "Tuhandled" heißt es ebenso beiläufig, klipp und klar und mit kaltschnäuziger Gier in den Thai-Augen. Zweihundert - rund viereinhalb Euro! Man möchte einen Schreikrampf bekommen - doch das gilt hier als oberpeinlich. Andererseits... Je frecher die Forderung, desto verwegener oft der Chauffeur und rasanter das Fahrvergnügen. Man grinst also schief und geht cool weiter. Das Vierfache des (Touristen-) Preises waren das. "How much", ruft einem der Fahrer noch nach und lädt trügerisch zum Handeln ein. Doch das ist jetzt vergebliche Liebesmüh - der Feind hat Blut geleckt. Zudem spielt jeder Pulk immer Kartell - vor allem, wenn man sie Nachts etwa an der Ecke Patpong/Silom Road ansteuert. Hätte er jetzt astronomisch hohe hundert Bath verlangt (gut zwei Euro), hätte man auf dem fairen Preis von Fünfzig bestanden. Und die Tour trotzdem nicht bekommen. Denn die Fahrer warten hier an guter Stelle nicht umsonst. Hier ist jetzt Prime Time und Prime Location und immer noch grünere Greenhorns kommen die "Oriental Avenue" entlang geschlendert. Fünzig Bath für Fahrten im inneren Stadtbereich, sind aber eigentlich immer in Ordnung. Man zieht jetzt also besser erst einmal den Blazer mit den vier Goldknöpfen aus. Solche eyecatcher - nagt der keimende Verdacht - verteuern den Preis ungemein. Der Nächste bitte. Gerade kommt er um die Ecke gebraust - man hebt die Hand - er hält quitschend. "Mango Tli Lestolänt?" Der Groschen fällt sofort und der Preis auf 50 Bath. Schon macht er sich mit uns auf den Weg. Festlich erleuchtet ist das "Mango Tree". Geschafft! Girlanden in den Bäumen, flimmernde Lichtkaskaden über dropsfarbenen Buddhaschreinen, todschickes Publikum, eiskaltes Singha-Bier und köstliches Essen. Und soviel gespart bei der anreise. Ein toller Abend.
Lotus Travel offerirt beispielsweise ein Bangkok-Specialan 999 Euro pro Person (bei Abflug bis zum 19. September). Es umfasst sieben Übernachtungen mit Frühstück im Marriott Resort & Spa, drei Ausflüge, sowieLinienflüge ab/bis München bzw. Frankfurt Tel. 089/ 201 12 88
Hartmut U. Hallek
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