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Top Hotel
Zeitraum: September 2004
Auflage: 19.100
Streichel Ayurveda
Asiatisches boomt unter Wellness-Pilgern. Ganz vorn dabei: Ayurveda
Wie authentisches Ayurveda aussieht, erleben die Gäste in Sri Lankas Vorzeige-Resort "Eva Lanka"
Mit Ulli ist nicht viel los in diesen schönsten Tagen des Jahres. Mit Gatte Georg auch nicht. Schlaff hängen die beiden in den Seilen, ihr Bewegungsradius reicht von der Massagebank zur Hängematte zur Massagebank. Während auf Georgs Armen und Beinen eine Tinktur wie Schokosauce klebt, trägt Ulli einen öldurchtränkten Handtuchturban. Das junge Ehepaar macht Urlaub nach ayurvedischer Art.
"In der ersten Woche schlafen sie alle, schlafen, schlafen" sagt Ursula Möckl, die das Ayurveda-Zentrum im Eva Lanka Resort in Tangalle leitet. "Da wird entgiftet." Es ist die herrliche Zeit der Endlosmassagen, in der die Therapeuten mit goldenen Händen alles Böse aus den Zivilisationsgeschädigten rausholen: Restbestände von Koffein, Nikotin, Alkohol und McDonalds-Spätfolgen. "In der zweiten Woche stärken wir das Immunsystem, in der dritten Woche kannst du die Palmen hier ausreißen", verspricht Ursula Möckl. Ayurveda soll auch vorbeugen. "Ein Gesunder wird nach einer Kur ein Jahr lang keine Krankheiten bekommen", meint die Münchnerin.
An einer einsamen Bilderbuchbucht mit Riesenwellen, Pulversand und Palmengarten gelegen, gilt das Eva Lanka als Top-Adresse für Erholungssuchende im Land. Maximal 56 Gäste nimmt das Bungalowensemble im Süden Sri Lankas auf. Der Großteil der vornehmlich deutschen Klientel verschmäht zum Leidwesen des italienischen Eigentümers Pasta und Prosecco. Stattdessen entscheiden sie sich für eine Ayurveda-Kur im Haus des Signore. Ob Haarausfall oder Übergewicht, Tinnitus, Neurodermitis oder Unfruchtbarkeit, die Gäste kommen aus vielerlei Gründen ins Eva Lanka. Das Gros will einfach nur die Batterien aufladen. Und natürlich Land und Meer kenenlernen: bei Elefantensafari und Schildkrötenbeobachtung, beim wöchentlichen Kochkurs im Hotel, damit das ayurvedische Kürbis-Curry später auch zu Hause schmeckt. Höhepunkt ist der Tempelbesuch bei buddhistischen Mönchen, die unterm heiligen Bodhi-Baum in die Meditation einweihen. Schließlich predigt Ayurveda Ganzheitlichkeit, da gibt es auch für Geist und Seele Futter.
Im Eva Lanka päppeln zwei Ärztinnen, ein Dutzend Therapeuten und ein Apotheker die Kurgäste - Deutsch-Dolmetcher inklusive. Üblich sind zweiwöchige Reinigungs- und Regenerationskuren. Eine Panchakarma-Heilkur für chronisch Kranke dauert drei bis vier Wochen. Das Team um Chefärztin Dr. Susila Nandani, die zusätzlich zum Studium der Schulmedizin acht Jahre Ayurveda studiert hat, zieht alle Register: vom Ölbad und Stirnguß über Hautpasten, Inhalationen, Schwitzbäder, Einläufe und Yoga im Morgengrauen bis zur handgemachten Kräutermedizin von Apotheker Upali, der noch auf jedem Stückchen Erde ein nützliches Unkraut entdeckt. Dazwischen immer wieder Massagen unterm Palmendach. Täglich erhält der Gast mindestens drei bis sechs Anwendungen, um die Gesundheit zu erhalten oder Krankheit zu kurieren.
Wer was braucht, stellt die Ärztin bei einer Eingangsuntersuchung fest. Grundlage für jede Ayurveda-Behandlung ist die Bestimmung der persönlichen Konstitution unter bioenergetischen Gesichtspunkten, "Dosha" genannt. Ob jemand "Kapha", "Vata" oder "Pitta" ist, so der Ayurveda-Slang, ist ein beliebtes Rätselspiel der Gäste am allgemeinen Mittagstisch. Was auf den Teller kommt bestimmt Dr. Susila Nandani. Nach ihren Anweisungen wird für jeden Gast individuell gekocht. - Nahrung als natürliche Medizin. Wer eine echte Ayurveda-Kur am Tropenstrand bucht, muß wissen, daß die leckeren Meeresfrüchte verpönt sind. Fisch gibt`s dagegen manchmal, Fleisch nie. Auch der Sun-Downer in der Hängematte wird gestrichen, Alkohol ist wie Kaffee tabu. Dafür gibt`s viel heißes Wasser zum Entgiften und exotische Geschmachserlebnisse.
Im Eva Lanka wird authentische Volksmedizin nach jahrtausendelanger Erfahrung betrieben, aber auch nicht so streng, daß der Gast etwa zum Fasten verdonnert wird. "Nach Ayurveda-Kuren in Indien und Deutschland brauchst du vier Monate, um wieder in`s heimische Tempo zu finden", berichtet ein Anwalt aus Frankfurt. "Das ist hier anders".
Anders sind auch die Preise, in denen alle Anwendungen exklusive sind. Zwei Wochen mit Flug und Vollpension bietet zum Beispiel Lotus Travel München ab 1.698 Euro. "Man bekommt bei jedem Pieps, den man macht, noch eine Sonderpackung oder eine Spzialmassage. In Deutschland wäre das viermal so teuer", freut sich Brigitte Kisters. "Obendrein habe ich hier das Paradies."
Claudia Reinert
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