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Frankenpost

Zeitraum: Dezember 2005

Auflage: 72.272

Ein Paradies sucht seinen Frieden

Ein Paradies sucht seinen Frieden und garantiert den Urlaubern noch mehr Sicherheit. Wer wieder kommt, erlebt die Götterinsel wie zu ihren schönsten Zeiten: Verborgene Paläste, reich verzierte Tempel, prächtige Zeremonien. Im Inneren öffnen sogar Königs- und Priestersöhne ihre Anwesen für Touristen.

Das war zu wenig. Aus dem Gesicht der zierlichen Frau verschwindet für einen Augenblick das Lächeln. Diese Rupien! Doch ehe das Trinkgeld aufgebessert wurde, ist das berühmte Lächeln wieder da. Treppauf, treppab bugsiert sie die Koffer durch die feuchte Wärme des späten Nachmittags zu den Villen im Paradies des Agung Rai in Ubud, dem kuturellen Zentrum Balis. Mit einer Heiterkeit, die nie zu versiegen scheint. Allein die Götter wissen, woher sie die nimmt.

Hibiskus, Duft von Nelken, Frangipani und Jasmin. Tropenpflanzen ranken um verwitterte Steinfiguren. Wasserspiele plättschern auf auf Lotusblüten, Libellen in Rot und Blau, gepunktet und gestreift, schwirren durch die Luft. Ein Tor aus hellem Sandstein, mit balinesischer Handwerkskunst verziert, öffnet den Blick auf Tempel und Pavillons mit Terassen und Treppen im traditionellen Stil. "Viele Gäste denken, sie seien in einem Tempelbezirk" lächelt der Hausherr Agung Rai. Falsch ist das nicht, denn drei Tempel, einer für Shiva, einer für Brahma und einer für Vishnu, sind das Minimum in jedem Dorf, in jedem Haus. "Mir war der Tempel für Sarasnati, Göttin der Kunst, noch wichtiger", fügt er hinzu. "Denn mit Kunst fing alles an".

Maler wollte er werden. Da sein Talent nicht reichte, verkaufte der Mittfünfziger schon als Junge Kunst am Strand, behielt die besten Bilder und avancierte zum erfolgreichen Kunsthändler. Er fuhr in die Welt und holte alte und moderne Werke balinesischer Künstler zurück auf die Insel - auch das erste Bild von Bali-Pionier Walter Spieß aus den zwanziger Jahren. Die hängen nun in zwei Museen im alten Bali-Stil in seinem Tropengarten. Interessierte können hier malen lernen oder mit den Gamelan-Musikern für den abendlichen Auftritt üben. Sich von Desak die ersten Legong-Schritte zeigen lassen. Oder mit dem Koch exotische Gerichte komponieren. "Mein Traum von der Symbiose Kunst und Natur hat sich erfüllt", bekennt Agung Rai stolz, bleibt dabei freundlich und bescheiden. Denn im Herzen ist er einfacher Reisbauer, wie sein Vater, geblieben. Den besucht er jeden Morgen vor Sonnenaufgang -im langen Sarong und dem Destar, einer Art Stirnband, das die Gedanken "bündelt", auf dem Kopf. Jeder kann ihn in sein Dorf begleiten, in seinem Haus nächtigen und den weisen Geschichten seines Vaters zuhören.

In die Stille des Morgens kommen Frauen in Wickelröcken und Spitzenblusen in leuchtenden Farben, den Kebayas, des Weges. Mit Schalen auf den Köpfen, die bis zum Überquellen voll Opfergaben sind. Sie eilen zur privaten Zeremonie ins "Große Haus der Brahmanen" nach Mas, nur ein paar Minuten von Ubud weg. Gus de, ein Nachfahre des heiligen Brahmanen, der vor über 500 Jahren den Hinduismus nach Bali brachte, hat auch uns dazu eingeladen. Wir haben Ehrenplätze auf den Terrassen der Familienhäuser. "Alle 30 Jahre feiern wir mit über 300 Verwandten 30 Tage lang - das ist völlig normal. Und all unsere Gäste sind willkommen", lächelt seine Frau Putri. Noch ist der Vater Gastgeber, das nächste Mal muss Gus De Regie führen und die 30.000 Dollar dafür bei den Verwandten einfordern.

Die Zeremonie dient dazu, das Dorf spirituell zu reinigen. Mythologische Figuren in prächtigen Kostümen halten Zweiegespräche mit den Familienmitgliedern. Unter einem Baldachin aus Brokat betet der Priester, vor ihm die Gläubigen im Ltussitz mit gefalteten Händen, in denen Blumen stecken. Nach dem Segen mit Reis und Wasser bringen sie das heilige Nass in einer Prozession zum Haupttempel. Dort stimmen sich die Dörfler mit Tänzen, Gesängen und Musik auf die Gebete im heiligen Bezirk ein.

Opfern, feiern, beten. Die Religion ordnet das Leben auf Bali - des Einzelnen, der Familie, des Dorfes. Und alles Leben ist Religion in dieser bizarren Mixtur aus Hinduismus und Animismus, die Bäume, Steine, Blumen und selbst Pflug und Amboss eineSeele haben lässt. Seit über 100 Jahren faszinieren die fremdartigen Riten und die Schönheit der Insel Besucher aus aller Welt. Eine heile Welt, in die Terroranschläge nicht passen wollen und die Erinnerung daran umso schmerzlicher ist.

Deshalb wollen auch Agung Prana und sein Sohn Kertiyasa nicht resignieren. Sie sind Nachfahren des alten Mengwi Königreiches und heute Gastgeber im ländlichen Umabian. Umgeben von Tropenwald liegt ihr königliches Versteck Puri Taman Sari eine Autostunde von Ubud im Herzen von Balis Reiskammer. In unberührter Natur, ruhig und friedlich kann der Besucher mit der Großfamilie leben, ihre Rituale lernen, gemeinsam zum Markt gehen, schwatzen, lachen. Wie weit man in ihr Leben eintauchen möchte, bleibt jedem überlassen. Agung Pranas wichtigtes Anliegen jedenfalls ist, das kulturelle Erbe, die Landschaft und die Korallenbänke Balis zu erhalten. Dafür kämpft er und engagiert sich in vielen Gremien.

Dass die Balinesen jetzt noch freundlicher und und bemühter sind, spüren wir im Dorf. Lächelnd reichen sie uns Opferschälchen für die geschmückten Hindu-Tempel und Opferschreine. Blüten und Räucherstäbchen verströmen Düfte. Kein Tag beginnt oder endet, ohne den Göttern und Geistern gehuldigt zu haben. Frauen binden dafür Blumen, kochen, flüstern, kichern mieinander. Unter unzähligen Palmen, und es wäre schön, wenn man für immer unter einer davon sitzen könnte. Mit Aussicht vielleicht auf die Terrassen der Reisfelder und auf ein Flüsschen, in dem die Frauen und Mädchen baden...

Leises Klimpern eines Gamelan-Orchesters ist immer Wegweiser zu einem Fest.Im königlichen Anwesen erleben wir noch einmal das authentische Bali mit einer Vergangenheit, die noch lange die Zukunft bestimmen wird: Den echtenLegon, getanzt von kleinen Mädchen, halben Kinder noch, wie`s sichgehört und wie es die Götter Balis lieben.Die Figuren sind noch zart, zerbrechlich, in den Bewegungen jedoch schon unendlich fraulich. So kann nur tanzen mit den Füßen, mit den Augen, mit den Fingern auch mit dem ganzen schlangengleichen Körper, wer zum Tanzen, wer zum Legong geboren ist.

Katharina Büttel      



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