Als Frau alleine in Nordindien unterwegs …

von Julia Andre | 11.12.2018

„Du fährst alleine nach Indien? Als junge Frau? Aber man hört doch so viel …“ Wie oft habe ich in den letzten Wochen diese Frage gehört, wenn ich jemandem von meinen Reiseplänen erzählt habe. Aber ich wollte das faszinierende Land mit seinen vielen Facetten endlich einmal mit meinen eigenen Augen sehen.

Indien ist hierzulande nicht gerade als populärstes Reiseland für Frauen bekannt. Warum? Vielen sind die Berichte über Gewalt gegen Frauen in den letzten Jahren noch immer im Gedächtnis. Statistisch gesehen und auf die große Einwohnerzahl umgerechnet, schneidet Indien im Ländervergleich sehr gut ab. Und seit Jahrzehnten kommen die meisten unserer weiblichen Traveler begeistert aus dem Land am Ganges zurück. Was auch immer berichtet wird – letztendlich bekommt man den authentischsten Eindruck, wenn man es selbst erlebt. Und genau das hatte ich vor!

Kommt mit auf meine Reise! Ich erzähle Euch, wie Indien und seine Menschen mich aufgenommen haben und was ich alles erfahren durfte.

Willkommen in Indien!

Gespannt, voller Vorfreude und natürlich auch aufgeregt steige ich in Delhi aus dem Flugzeug. Ich hatte mich für eine Reiseroute mit einigen Highlights in Nordindien entschieden. Organisiert auf die gleiche Art und Weise, wie wir es bei Lotus Travel seit Jahrzehnten für unsere Kunden tun – mit eigenem PKW und Fahrer sowie örtlich-wechselnde Reiseleitern. Ich werde herzlich von einem Guide begrüßt – bekomme eine Blumenkette geschenkt und werde beim Kauf einer indischen SIM-Karte hilfreich unterstützt. Danach fahren wir direkt ins Hotel, denn am nächsten Morgen geht es weiter nach Varanasi – dem eigentlichen Startpunkt meiner Reise. 

Und ich springe direkt rein in mein indisches Abenteuer: die heilige Stadt am Ganges ist Indien pur! Enge Gassen – voller Menschen, Auto- und Fahrrad-Rikschas und natürlich Kühe –viele Kühe! Ich will näher dran sein am Getümmel und bitte meinen Guide, die Stadt-Erkundung lieber zu Fuß als mit dem Auto fortzusetzen. Eine gute Entscheidung – die ich nur empfehlen kann! Bei der Gelegenheit probiere ich den bekannten indischen Chai aus einer traditionellen Tontasse – und bin gestärkt für das Erlebnis Ganges. Durch das Gewusel erreichen wir schon bald die Stufen am Ufer des heiligen Flusses – die sogenannten Ghats. Viele Menschen praktizieren hier rituelle Waschungen oder auch Yoga, andere sitzen ganz einfach still in ihrer Meditation versunken. Das bunte Treiben lässt sich am besten vom Boot aus entdecken. Gemächlich gleiten wir über den Fluss und sehen schon aus der Ferne die Feuer der Krematorien brennen. Gläubige Hindus sind überzeugt – wer hier in Varanasi verbrannt wird und wessen Asche in den Ganges gestreut wird, der hat die größte Chance, das Nirwana zu erreichen und den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu durchbrechen.

Die Stimmung ist so mystisch, dass ich sie kaum in Worte fassen kann – und sie wird tatsächlich noch eine Stufe dramatischer, als wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang zu einer weiteren Bootsfahrt aufbrechen: pink-orange geht die Sonne auf, ein leichter Nebel liegt über dem Flussbett und die Vögel fliegen tief an unseren Köpfen vorbei. Ich verlasse Varanasi mit dem Gefühl, angekommen zu sein – in einer anderen Welt.

Can I please take a picture with you?

Die Reise führt mich nach Westen – vorbei an atemberaubenden Sehenswürdigkeiten wie die 1000-Jahre alten Tempel von Khajuraho, der verlassenen Stadt Orcha und dem legendären Taj Mahal. Letzteres besuche ich auf Empfehlung meines Guides übrigens nicht schon zum allseits beliebten Sonnenaufgang, sondern am frühen Vormittag – das erspart mir Anstehen und Menschenmassen! Während ich an diesen Orten meist sprachlos die Werke einstiger Baumeister und Künstler bestaune, werde ich nicht selten selbst zur Attraktion. Unter so vielen Indern steche ich als ziemlich exotisch heraus und man bittet mich immer wieder um ein gemeinsames Foto. Der Satz „Can I please take a picture with you?” begleitet mich durch alle meine Stationen. In der blauen Stadt Jodhpur geht es sogar soweit, dass mich eine große Traube junger Menschen umringt – alle mit ihren Smartphones in Selfie-Position und begeistert in lebhaftem Hindi schnatternd. Mein Guide beginnt breit zu grinsen und klärt mich später auf, dass ich wohl für eine Hollywood-Schauspielerin gehalten wurde.

Ihr wollt einmal einen „Stars- und Sternchen“-Moment erleben? Ab nach Indien sage ich da nur!

Und es kommt noch besser:

Das Erlebnis sich wie eine Prinzessin zu fühlen

Wer wissen möchte, wie es sich anfühlt Prinz oder Prinzessin zu sein, dem empfehle ich eine Reise durch Rajasthan mit Übernachtung in einem Heritage-Hotel. Das sind Unterkünfte in historischen Gebäuden – meist kleine Paläste oder Fürstenhäuser – die liebevoll restauriert, aber dabei so original wie möglich belassen wurden. Im einstigen Fürstenstaat Rajasthan gibt es viele dieser besonderen Gästeunterkünfte. In fast jeder Stadt hier könnt ihr tagsüber imposante Burganlagen und Stadtpaläste bewundern und Euch anschließend in Eure „eigene“ Residenz zurückziehen.

Meine ganz persönliche Prinzessinnen-Erfahrung erlebe ich im Samode Palace, einem knapp 500-Jahre alten Rajputen-Palast, der etwas außerhalb von Jaipur liegt. Definitiv eines meiner Reise-Highlights! Das Flair, welches die historische Unterkunft ausstrahlt, ist in jedem Winkel zu spüren und der Palast lässt mich spüren, wie es wohl einst gewesen sein muss, hier zu wohnen. Eingebettet in eine friedliche Hügellandschaft ist der Palast eine Sehenswürdigkeit an sich! Nie zuvor hatte ich das Vergnügen, in einer solchen zu übernachten und mir für das Bewundern Zeit zu nehmen, die Atmosphäre aufzusaugen und abends in meinem Himmelbett die Augen zu schließen und mir vorzustellen, ich wäre selbst eine Rajputen-Prinzessin! Ich kann nicht sagen, was mich letztendlich am meisten beeindruckt hat. Waren es die kunstvoll bemalten Arkaden-Gänge? Die Landschaft? Die herzliche Gastfreundschaft? Alles in allem war es eine wunderschöne Zeit im Samode Palace und ich wäre gerne länger geblieben!

Doch weil ich noch ein paar weitere Facetten von Indien kennen lernen wollte, hatte ich mir für das Ende meiner Reise noch ein kleines Kontrastprogramm überlegt:

Unterwegs mit dem Nachtzug

Ich gebe zu – ein wenig Bammel habe ich doch vor dem, was vor mir liegt: die Fahrt zurück nach Delhi – mit dem Nachtzug und ohne Guide. Doch das Unbehagen verfliegt, sobald ich mein Abteil beziehe. In der Kabine gibt es zwei Liegen, frische Bettwäsche, Steckdosen, ein Waschbecken und die Kabine lässt sich von innen verriegeln. Ich lerne Trisha kennen – meine Kabinengenossin – mit der ich sofort Freundschaft schließe. Sie erzählt mit viel über das Leben in Indien und stellt mir sogleich ihre ganze Familie vor, die ebenfalls in diesem Zug unterwegs ist. Während wir uns angeregt unterhalten zuckelt der Zug sachte Richtung Delhi und wiegt uns schließlich nach einiger Zeit sanft in den Schlaf. Ausgeruht und mit einer neuen Freundin im Gepäck komme ich am nächsten Morgen an. Eine spannende und zugleich entspannte Erfahrung!


Die indische Gastfreundschaft hat ich mich so berührt

Wenn ich gefragt werde, was mich letztendlich am meisten beeindruckt hat und was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, kann ich nur eine Antwort geben: Die herzliche Gastfreundschaft, die mir überall begegnete, die Hilfsbereitschaft und der ausdrückliche Wunsch, meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten! Nicht einmal in zwei Wochen habe ich meine Koffer selbst geschleppt, nicht eine Autotür habe ich selbst geöffnet. Und als ich so erkältet war, dass ich einen Tag extra im Bett verbringen musste, wurde das so problemlos arrangiert, dass das einzige, was ich mitbekam, der Zimmerservice war, der mich mit Hühnersuppe und Ingwertee versorgte. Während der gesamten Reise wurde ich liebevoll umsorgt und selten hatte ich in der Ferne das Gefühl, so gut aufgehoben zu sein.

Danke Indien, für diese unglaublich bereichernde Erfahrung – ich werde dich vermissen!

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