Götter, Geister und Dämonen – Balis einzigartige Kultur erleben

von Gusde aus Bali und Julia Andre | 12.09.2018

 

Spiritualität, Tempelriten, Opfergaben und Zeremonien sind untrennbar mit dem Alltag der Balinesen verwoben und spiegeln sich überall wider. Jedem Besucher kann sich die authentische kulturelle Identität der Inselbewohner offenbaren. Allgegenwärtig sind Tempel und Ahnenschreine und selbst auf der geschäftigen Shoppingmeile in der Touristenhochburg Kuta gibt es kein Geschäft, kein Restaurant, vor dem nicht mindestens eine Opfergabe für die Hausgeister liegt. Seit Jahrhunderten glauben die Balinesen an die allmächtigen Kräfte der Natur, die Beseeltheit aller Dinge, den Ahnenkult und an hinduistische Götter. Eine Reise nach Bali ist immer auch eine Berührung mit dieser einzigartigen Kultur und Natur. Echt und unverfälscht erlebt Ihr den Alltag der Einheimischen, wenn Ihr das Haus der Brahmanen besucht.

 

Zu Gast im Haus des Brahmanen

Auf Bali wachen die Brahmanen, Angehörige der Kaste der Priester, über jene zahllosen Bräuche, Opferrituale und Feste, die das Leben auf der „Insel der Götter“ bis heute prägen. Ida Bagus Suar Udiyana ist der Sohn eines Brahmanen und lebt mit seiner Familie im Dörfchen Mas nahe Balis kulturellem Zentrum Ubud. Er lädt Lotus-Traveler in sein Zuhause ein, lässt sie teilhaben am Alltag seiner Familie und öffnet so die Türen zu einer Welt der Spiritualität, des Glaubens, der Mythen und der Mystik, der Tradition und der Moderne. Im Gespräch mit uns erzählt er von sich und warum es ihm so wichtig ist, anderen Menschen das Erbe seiner Kultur nahe zu bringen.

Lieber Gusde, möchtest Du Dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Ida Bagus Suar Udiyana. Meine Freunde nennen mich aber einfach Gusde. Ich gehöre der Brahmanen-Kaste an. Ich lebe mit meiner Frau Putri und unseren beiden Söhnen in der Nähe von Ubud. Als Brahmane hat man eine besondere Stellung und muss bestimmte Pflichten erfüllen. Das erfordert auch tiefere Kenntnisse wie zum Beispiel das Lesen der altindischen bzw. vedischen Schriftsprache Sanskrit.

Wenn unsere Kunden bei Dir und Deiner Familie wohnen, was erwartet sie dann?

Sie erleben den balinesischen Alltag und alles, was dazu gehört – wenn sie mögen von morgens bis abends. Dabei lassen wir sie an allem teilhaben – an Aktivitäten wie Einkäufen oder dem Zubereiten der Mahlzeiten bis hin zu spirituellen Handlungen wie den täglichen Opferungen an unseren Haustempeln. Sie lernen unsere weitverzweigte Familie und die Dorfgemeinschaft kennen und erleben während ihres Aufenthalts die ein oder andere Zeremonie. Eine Hochzeit etwa, die Zahnfeilung eines Mädchens, eine Hauseinweihung oder die Verbrennung eines Verstorbenen.

Was erlebst Du selbst als Gastgeber?

Jedes Mal lerne auch ich Neues über die Kultur unserer Gäste – es findet ein richtiger Austausch statt und ich gewinne dadurch neue Freunde, die ich besuchen kann, wenn ich einmal selbst verreise.

Gibt es einen Unterschied zwischen „normalen“ Touristen und denen, die zu Dir kommen?

Lotus-Traveller wollen unsere Kultur und unseren Alltag authentisch erleben und auch selbst aktiv daran teilnehmen. „Normale“ Touristen sind eher wie Zuschauer, die aus der Distanz unser Leben beobachten.

Wie hast Du die Entwicklung des Tourismus auf Bali in den letzten Jahren erlebt?

Ich konnte über einige Jahre hinweg einen rasanten Anstieg der Touristenzahlen beobachten, besonders was den Strand-, Surf- und Party-Tourismus angeht. Kulturelle Reisen sind weniger gefragt, aber natürlich viel nachhaltiger.

Welchen Einfluss hat der Tourismus auf Bali und seine Bewohner?

Der Tourismus hat uns einiges an Fortschritten in Sachen Technologie gebracht und auch ganz allgemein unseren Lebensstandard verbessert.

Verändert der Tourismus auch die kulturelle Identität der Balinesen?

Das würde ich nicht sagen. Der starke Anstieg des Tourismus zeigt uns ja, dass immer mehr Leute an unserer Kultur interessiert sind und das macht uns natürlich stolz! Unsere Gäste fühlen sich denke ich auch deswegen so wohl hier, weil sie hier so viele lächelnde Gesichter sehen und erleben, wie wir hier in Harmonie und Frieden leben.

Gibt es auch Schattenseiten des Tourismus?

Ja leider. Besonders ist der Anstieg des Verkehrs und des Mülls durch die steigenden Touristenzahlen zu beobachten.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Besucher für kulturell sensitive Reisen entscheiden würden und/oder für Reisen, bei denen zum Beispiel Gastronomie und die lokalen Spezialitäten im Vordergrund stehen.

Unser Tipp: Besucht Gusde´s Onkel - der Astrologe, Seher und Heiler unternimmt mit Euch eine Reise in Eure Zukunft – lustig und sehr spannend!

 

Insel der tausend Tempel

Nicht wegzudenken aus dem Landschaftsbild Balis: die zahlreichen Tempel. Offiziell gibt es 20.000  – Familienschreine und Haustempel nicht mitgerechnet. Manch einer munkelt, es gäbe sogar mehr Tempel als Wohnhäuser. Die Tempel sind alle mit einer Achse auf den Vulkan Agung ausgerichtet, denn dieser ist der Sitz der Götter. Es gibt neun Nationaltempel, die allen Balinesen heilig sind. Besonders bekannt sind der Pura Tanah Lot, der auf einer der Küste vorgelagerten Felseninsel thront oder der „Fledermaustempel“ Goa Lawah. Weniger bekannt, weniger besucht aber nicht weniger schön ist der Nationaltempel Pura Pulaki. Dieser liegt abseits der Touristenpfade in der Nähe des Nationalparks Taman Barat im Nordwesten Balis und zählt zu den bedeutendsten Heiligtümern der Insel. Die Tempelanlage besteht aus dem auf einer steilen Felsklippe errichteten Meerestempel Pura Pabean und dem gegenüberliegenden Felsentempel Pura Pulaki. Von Pura Pabean aus hat man einen phantastischen Blick auf das Meer. Schräg gegenüber liegt Pura Pulaki, der sich ca. 25 m vom Meer entfernt an überhängenden Felswänden hochwindet. Hier lebt eine Affenbande, die alles blitzschnell stibizt, was ihnen in die Finger kommt. Einheimische Frauen verkaufen deshalb Weintrauben an die Besucher – ganz offensichtlich eine Lieblingsspeise dieser diebischen Tempelbewohner, die den Balinesen heilig sind.

 

Unsere Tipps für den Besuch eines Tempels:
Schultern und Knie solltet Ihr bedeckt halten. Für ein kleines Entgeld erhaltet Ihr bei den meisten Tempeln einen „Sarong“ (Wickelrock).  Wenn Ihr mit Gusde oder einem anderen  Familienmitglied unterwegs seid, wird für alles gesorgt.  Auf Tempelmauern zu klettern ist tabu – ebenso wie das Herumlaufen während des Gebets. Etwas Sensibilität vorausgesetzt, könnt Ihr bei religiösen Zeremonien aber gerne fotografieren.

 

Wenn die Götter speien – aktuelle Infos zur Vulkanaktivität des Mount Agung

Für die Balinesen ist er der Sitz der Götter – der mächtige Vulkan Agung im Nordosten der Insel. Bis Mitte letzten Jahres konnte man ihn noch besteigen. Im Herbst fing er an zu brodeln und stieß Ende 2017 ordentlich Asche aus – ein unglaublich sehenswertes Naturschauspiel! Weil der Wind die Asche Richtung Süden bließ, musste der Flughafen sogar für ein, zwei Tage gesperrt werden. Inzwischen geht alles seinen gewohnten Gang – nur hin und wieder macht der imposante Agung sich noch bemerkbar. Regelmäßige Updates zur Vulkanaktivität findet Ihr hier.

 

Der direkte Draht zu den Göttern – das Bali Kite Festival

Wenn auf Bali in den Sommermonaten der Wind aufbraust, kann man ein phantastisches Schauspiel am Himmel sehen: prächtige Drachen in allen Farbnuancen schweben in schwindelerregender Höhe. Wie bei fast allem steht auch hier die spirituelle Bedeutung Pate: mit den Drachen senden die Balinesen Nachrichten an die Götter.

Zur klimatisch besten Jahreszeit, von Ende Juni bis in den September hinein, kann man das Bali Kite Festival am Strand von Sanur erleben. Die Daten variieren – je nachdem, wie es windet. Hunderte Teams wetteifern, welche Drachen am schönsten und eindrucksvollsten aussehen und am besten durch die Lüfte fliegen. Und dazu erklingen die Klänge der Gamelan-Orchester. Ihr möchtet selbst einen Drachen steigen lassen? Die hilfsbereiten Profis greifen Euch gerne unter die Arme, sollte es nicht auf Anhieb klappen!

 

Unsere Lieblingshotels für Kulturbegeisterte

Hotel Tugu Bali

Wer sich für Kunst und die traditionelle balinesische Holzschnitzerei begeistert, für den ist das Hotel Tugu Bali an der Südwestküste genau das Richtige. Überall findet Ihr hier südostasiatische Kunstwerke, die der Eigentümer über Jahre hinweg gesammelt hat und heute die Anlage schmücken. Eine der Suiten wurde als Hommage für den Künstler Walter Spies gestaltet, der in den 20-Jahren des letzten Jahrhunderts auf Bali wirkte und die lokale Kunst förderte. Wir empfehlen Euch, bei einem Kochkurs auch „kulinarische Kunstwerke“ kennen zu lernen!

 

Arma Resort

Wohnen inmitten eines balinesischen Mikrokosmos könnt Ihr im Arma Resort in Ubud. Der Bauernsohn Agung Rai hat in den vergangenen Jahrzehnten auf seinem Anwesen ein Gesamtkunstwerk geschaffen – das Agung Rai Museum of Art. Eine beeindruckende Sammlung traditioneller und moderner Kunst, eine Bibliothek, ein Gamelan-Orchester und eine Freilichtbühne, auf der Balis atemberaubende Legong- und Barongtänze aufgeführt werden. Und ebenfalls auf dem Areal findet Ihr authentische und komfortable Unterkünfte – so seid Ihr ganz nah am Geschehen. Unser Tipp: Begleitet Agung Rai bei seinem „Golden Hour Walk“. Hier erfahrt Ihr viel über die Dörfer und seine Menschen, über Kunst & Kultur – über Gott & die Welt!

 

Hope, dignity, purpose – die Bali Life Foundation

Hoffnung, Würde, Bestimmung ist das Motto der Bali Life Foundation, die Kindern aus verwaisten oder vernachlässigten Verhältnissen ein Zuhause, Bildung und Perspektiven bietet. Als ich (Julia Andre) meinen Sommer 2016 auf Bali verbrachte, konnte ich mir ein Bild davon machen, was die Stiftung seit ihrer Gründung 2005 auf die Beine gestellt hat: in einem Streetcentre werden Straßenkinder versorgt und haben die Möglichkeit, zu lernen und zu spielen, anstatt auf den Straßen Denpasars zu betteln. Es werden Workshops für Mütter angeboten, damit sie ihre Kinder nicht zum Geld verdienen auf die Straße schicken. In zwei Gemeindezentren wird Sozialarbeit geleistet und Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Das Kinderheim bietet ca. 40 Kindern eine Rundum-Versorgung inkl. medizinischer Betreuung und Organisation des Schulbesuchs. Mit unserer letztjährigen Weihnachtsaktion haben wir von Lotus Travel die Stiftung mit einer Spende beim Bau eines neuen Training & Community Centres unterstützen können. In folgendem Video könnt Ihr Euch anschauen, wie weit der Bau bis heute vorangeschritten ist:

Bali Life Building Project Update from BaliLife Foundation on Vimeo.

 

 

Zum Abschluss noch unsere Expertentipps

Beste Reisezeit
Für alle, die an die großen Ferien gebunden sind, ist Bali ein perfektes Reiseziel! Entgegen der meisten südostasiatischen Länder ist die beste Reisezeit hier von Juni bis September. Um die 30°C warm und tropisch ist es fast das ganze Jahr über und nur im Hochland etwas kühler.

Einreise
Ihr benötigt ein Visum für maximal 30 Tage Aufenthalt und Euren Reisepass (dieser muss bei Ausreise noch mind. 6 Monate gültig sein). Das Visum erhaltet Ihr bei Einreise am Flughafen gegen eine Gebühr von derzeit US$ 35,-. Eine Verlängerung auf bis zu 60 Tage ist möglich.

Zeitverschiebung
+7 Stunden (Sommerzeit +6 Stunden)

Strandurlaub
Die Strände auf Bali variieren von lava- über goldfarben bis puderweiß. Weiße Strände findet Ihr eher im Süden – dunkle Strände eher im Norden. Ausnahmen bestätigen die Regel! Mancherorts ist Baden zeitweise wegen Ebbe nicht möglich.

Tauchen und Schnorcheln
Balis atemberaubende Unterwasserwelt entdeckt Ihr am besten an der Nord- oder  Ostküste. Von Pemuteran im Nordwesten über Amed im Nordosten bis runter nach Candidasa und Padang Bai im Osten findet Ihr immer wieder wunderbare Tauchspots und ein breites Angebot an Tauchschulen. Unser Tipp: Macht einen Tauchausflug zu einer der vorgelagerten Inseln Nusa Lembongan, Nusa Penida oder Nusa Ceningan. Hier ist weniger los und mit Glück seht Ihr die seltenen Mondfische (Mola Mola).

Surfen
Sehr populär bei Wellenreitern aus der ganzen Welt sind die Surfstrände von Kuta und Ulu Watu im Süden der Insel. Hier findet Ihr auch zahlreiche Surfshops, Verleihstationen sowie Surfschulen für Anfänger und Fortgeschrittene.

Vorsicht beim Mieten von Rollern!
Klar – auf den überfüllten Straßen Balis seid Ihr mit dem Roller meist am schnellsten unterwegs. Seid Euch aber bewusst, dass Roller und Helme nicht unbedingt einem europäischen Sicherheitsstandard entsprechen. Besonders wer kaum Erfahrung mit Rollerfahren hat, Linksverkehr und überfüllte Straßen nicht gewöhnt ist, sollte sich zweimal überlegen, ob er das Risiko eingehen möchte. Für Ausflüge empfehlen wir Euch ein Auto mit Fahrer – das ist immer noch sehr preiswert und um einiges sicherer!

Authentische Speisen probieren!
Lasst Euch von Euren Gastgebern zeigen, wo es die echten Spezialitäten gibt – sie kennen sich am besten aus und so könnt Ihr auf einen unverfälschten Geschmack kommen. Wir empfehlen das Nationalgericht „Babi Guling“ (Spanferkel) oder den Eintopf „Bakso“!

Wenn Ihr Lust bekommen habt, Balis Kultur hautnah zu erleben, authentisch und kulturell sensitiv, meldet Euch gerne bei uns! Wir freuen uns auf Euch!


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