Borneo - Begegnungen im Regenwald

von Michael Juhran | 24.10.2018

Orang-Utan Richie ist der unangefochtene Chef der 30 Orang-Utans im Regenwald des Semenggoh Wildlife Centre.  


Eine üppige Pflanzenvielfalt, eines der größten Höhlensysteme der Welt und die letzten großen Menschenaffen Asiens machen Borneo für Naturliebhaber zu einem ganz besonderen Urlaubsziel.

Laut wie Johnny Weissmüller im Tarzan-Film ruft Ranger Murtadza allmorgentlich seine Freunde im Regenwald des Semenggoh Wildlife Centre nahe Kuching im malaysischen Sarawak zum Frühstück. Bereits nach wenigen Minuten hangelt sich Orang-Utan-Mutter Saddamiah mit ihrem neugeborenen Nachwuchs an Lianen und gespannten Seilen von einem der bis zu 40 Meter hohen Urwaldriesen herab. Kurz hinter ihr taucht auch Tochter Ruby auf. Genüsslich lassen sie sich die auf einer Holzplattform ausgebreiteten Bananen, Papaya und Süßkartoffeln schmecken. Gerade in dem Moment, als Murtadza auch die hartgekochten Hühnereier hervorholt, schrecken die Damen jedoch auf. Hoch oben im Blätterwald rauscht es, Baumkronen neigen sich und plötzlich gleitet Ritchie aus dem grünen Dickicht heraus. Nahezu 100 Kilogramm Lebendgewicht schweben an langen Armen mit über zwei Metern Spannbreite auf den Futterplatz zu. Ritchie ist der unangefochtene Chef der 30 Orang-Utans, die in dem 653 Hektar großen Naturreservat rund um das Wildlife Centre eine Heimat gefunden haben. Nachdem er die Futterbühne betreten hat, räumen alle anderen respektvoll das Feld. Wählerisch probiert Ritchie die Bananen, greift sich ein Ei und stopft Kokosnussfleisch in den von großen Wangenwülsten umgebenen Mund. Schließlich spült er alles mit kräftigen Schlucken aus einer angebotenen Milchflasche herunter und lässt sich dabei auch nicht vom Kameraklicken der Besucher des Zentrums stören.

 
Die Gene der Orang-Utans stimmen zu über 90 Prozent mit denen des Menschen überein. Sie verfügen über ein hervorragendes Gedächtnis und eine ausgeprägte räumliche Vorstellung.


1975 als Rehabilitationszentrum für verletzte, verwaiste und aus der Gefangenschaft befreite Orang-Utans gegründet, hat sich das Wildlife Centre inzwischen deutlich gewandelt. Aus den 11 eingelieferten kleinen Patienten sind stattliche Eltern geworden, die bereits 19 Kinder zur Welt brachten. Nach und nach konnten alle Orang-Utans in das Naturreservat entlassen werden. Doch ohne Zufütterung kommen die in der Natur meist einzeln lebenden Tiere nicht aus. Zu klein ist das Reservat, das von menschlichen Siedlungen umgeben ist. Im unbelassenen Regenwald braucht jeder „Waldmensch“, so die Übersetzung ins Deutsche, 100 bis 5000 Hektar, um sich selbst zu ernähren.

Doch der Regenwald auf Borneo, wie auch auf der benachbarten Insel Sumatra, wird immer kleiner. Die letzten Rückzugsgebiete der einst weit verbreiteten Menschenaffen sind in dramatischer Weise bedroht. Der WWF geht davon aus, dass die Orang-Utans „zwischen 1973 und 2005 die Hälfte ihres Lebensraumes durch großflächige Waldumwandlung und Brandrodung verloren.“ Einer kürzlich veröffentlichten Langzeitstudie von 38 internationalen Wissenschaftsinstitutionen zufolge verringerte sich der Bestand an Orang-Utans allein auf Borneo zwischen 1999 und 2015 um 148 Tausend Tiere, übrig geblieben sind geschätzt 70 bis 100 Tausend. Damit gehören sie zu den am meisten gefährdeten Arten weltweit.

Das Höhlensystem der Clearwater Cave im Gunung-Mulu-Nationalpark gehört zu den größten der Welt.

Anderthalb Flugstunden entfernt, scheint der Regenwald rund um Mulu noch intakt zu sein. Touristen aus aller Welt zieht es in den Gunung-Mulu-Nationalpark, der neben seiner enormen Pflanzenvielfalt mit einem besonderen Phänomen aufwartet.

Hier blüht auch die mit ca. 75 Zentimetern Durchmesser größte Blütenpflanze der Erde, die Rafflesia.

Inmitten des Nationalparks starrt eine kleine Touristenschar an der „Deer Cave“ auf den riesigen Eingang der Höhle. Kurz nach 17 Uhr schwirren Tausende von Fledermäusen in langgezogenen Formationen aus deren Inneren in den Abendhimmel. Die Höhle, die sie sich als Heimat auserkoren haben, gehört mit ihrem 415 Meter breiten und 100 Meter hohen Eingang zu den größten der Welt. Rund drei Millionen Fledermäuse hängen tagsüber weit oben an den Höhlendecken. Vor einigen Jahren wurde dieses riesige dunkle Reich aufwändig mit Holzstegen und Leuchten für Touristen ausgebaut. Es zählt heute zu den Highlights auf Borneo. Das bringt Geld in die entlegene Region.

Für Robert und seine Familie bringt der Ökotourismus einen willkommenen Zuverdienst.

Das kommt auch Robert und seiner Familie vom Stamm der Berawan zugute. Die Einnahmen aus dem Transport von Touristen mit seinem Boot sind ein willkommener Zuverdienst.

Nationalparks und Schutzgebiete geben Grund zur Hoffnung, dass große Teile uralter Lebensräume auf Borneo erhalten bleiben.

Die Entwicklung des Ökotourismus könnte die weitere Abholzung des Regenwaldes auf der drittgrößten Insel unseres Planeten eindämmen. Ein bereits etabliertes länderübergreifendes Nationalparkgebiet im Hochland von Borneo sowie das vom WWF initiierte, 220 Tausend Quadratkilometer große Schutzprojekt „Heart of Borneo“ geben Grund zur Hoffnung, dass auch die Waldmenschen überleben.

 

Informationen

Allgemeine Informationen: Malaysia Tourism Promotion Board, Weissfrauenstraße 12-16, Frankfurt am Main
Tel: 069 4609234 20, www.malaysia.travel

Anreise: Z. B. mit Singapore Airlines direkt von Frankfurt nach Singapur, weiter mit Scoot nach Kuching, hin und zurück ab 710 €, www.singaporeair.com

Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen einen Pass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Veranstalter: Z. B. Lotus Travel, „Auf den Spuren der legendären Kopfjäger”, 9 Tage ab Kota Kinabalu bis Kuching, ab 1163 € p.P. im DZ, www.lotus-travel.com

 

(c) für alle Bilder: Michael Juhran

 

 

UNSERE INSIDERTIPPS FÜR BORNEO

Sind Sie nach diesem tollen Bericht neugierig geworden auf das Leben im Dschungel? Folgend haben wir Ihnen unsere Insidertipps für eine Reise nach Borneo zusammengefasst:

 

Für Aktive: Wer statt einer Stadtrundfahrt lieber selbst in die Pedale treten möchte, für den werden in Kuching verschiedene Fahrrad-Touren in und um die Stadt herum angeboten. Und wer wirklich fit und bergaffin ist? Der höchste Berg Südostasiens – der Mount Kinabalu – wartet nur darauf, während einer Trekking-Tour erklommen zu werden. Wir planen mit Ihnen gerne Ihr ganz persönliches „Drahtesel- bzw. Gipfel-Abenteuer“ – fragen Sie uns!


Kulinarisches Kuching:
Die ehemalige Kolonialstadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen – und das spiegelt sich auch in der Kulinarik wieder! Hier finden Sie hervorragende chinesische, malaiische oder indische Restaurants genauso wie hippe „Food-Courts“ (Essensmeilen) mit westlich-asiatischer „Fusion“-Küche. Unbedingt probieren sollten Sie ein paar lokale Spezialitäten wie ‘Sarawak Laksa’ (eine würzige Brühe mit Reisnudeln), ‘Manok Pansoh’ (in Bambusblättern gekochtes Hühnchen), ‘Umai’ (roher, marinierter Fisch) oder ‘Midin Belacan’ (eine Art Dschungel-Farn mit Garnelen-Creme). Unsere Lieblingsrestaurants der Stadt haben wir Ihnen hier zusammengestellt.


Seltene Meeresbewohner beobachten:
Nicht nur zu Lande hat Borneo für Tierliebhaber viel zu bieten. Direkt vor der Küste Sarawaks gibt es die nur in Südostasien heimischen Irrawaddy-Fluss-Delfine zu beobachten – und das nicht mal eine Stunde von Kuching entfernt! Die wal-ähnlichen Tiere haben keine delfintypische Schnauze und werden daher mancherorts auch „Flussschweine“ genannt. Ebenfalls nicht weit von Kuching liegt der Talang-Satang-Nationalpark, dessen Inseln die beliebtesten Brutplätze Malaysias für Meeresschildkröten sind.


Großstadtdschungel:
Vor oder nach einem Dschungel-Abenteuer möchten Sie gerne auch in eine asiatische Metropole eintauchen? Da bieten sich besonders Singapur und Kuala Lumpur an – besonders wenn Sie ohnehin über diese Städte fliegen. Shopping, Nachtleben, Unterhaltung, da ist für alle etwas dabei. Wir empfehlen, eine Streetfood-Tour zu unternehmen – lecker und interessant!


Strandurlaub:
Borneo hat nicht nur eine einzigartige exotische Tierwelt, sondern auch traumhafte Sandstrände für entspanntes Sonnenbaden und Relaxen. Ob Luxushotel oder charmant-legeres Strandresort – hier findet sicher jeder sein persönliches Hideaway. Eine Auswahl an Hotels finden Sie hier.


Beste Reisezeit:
Borneo ist ganzjährig gut zu bereisen mit tropisch warmen Temperaturen. Es gibt zwei schwach ausgeprägte Regenzeiten: an der Nordwestküste zwischen Juni und November und an der Nordostküste zwischen Oktober und Februar.

 

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