Indiens Norden, Indiens Süden - ein Erlebnis der Kontraste

von Horst Leibacher | 12.09.2018

 

Prachtvolle Maharadscha-Paläste oder quietschbunte Hindu-Tempel? Hoher Norden mit schneebedeckten Gipfeln, kargen Wüsten, imposanten Mogul-Monumenten, die Männer mit Turbanen und die Frauen mit schillernden Saris oder der entspannte Süden mit tropischen Regenwäldern, tintenblauen Meer, spektakulären Tempeln, die Männer mit Lungis und die Frauen mit prächtigen Blüten im Haar? Indien ist in seiner Vielfalt überwältigend. Mehr als 3.200 Kilometer und allein drei Breitengrade liegen zwischen Indiens nördlichstem Zipfel im Himalaya und dem Kap Komorin am Indischen Ozean ganz im Süden. In einem Land mit einer solch großen Ausdehnung ist es kaum verwunderlich, dass sich Natur und Kultur so sehr unterscheiden, dass eine Reise in den Norden ein ganz anderes Erlebnis birgt als im Süden. Wie kann man sich da überhaupt entscheiden?

In unserer Reportage erfahrt Ihr mehr über die faszinierendsten Gegensätze zwischen Nord und Süd: die Vielfalt der Landschaften und der Natur, sowie die Unterschiede in der Kultur und Kulinarik. Mit dabei unsere Expertentipps, Empfehlungen für mitreißende Feste und typisch regionale Rezepte. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, Reise planen, Kochen und Genießen!

 

Maharadscha-Paläste, Wüstenlandschaften und die höchsten Gipfel der Welt

In Indiens Norden – besonders im Bundesstaat Rajasthan – finden wir Indien so vor, wie es sich viele wohl erträumen. Jahrhundertelang regierten hier die Rajputen und machten den heutigen Bundesstaat zu einer Hochburg des königlichen Indiens. Sie bauten imposante Forts und prunkvolle Paläste, die wir heute noch in all ihrer Pracht bestaunen können. Zwar verloren die Rajputen-Fürste mit Indiens Unabhängigkeit 1947 ihre Macht, aber der Geist von Folklore, Romantik und Heldentum ist bis heute lebendig. Schlendert durch die blauen und rosafarbenen Städte Jodhpur und Jaipur, begebt Euch in das ländliche Rajasthan – in „Gandhis geliebte Dörfer“, erlebt Spiritualität an den Flussufern des Ganges in Varanasi, bewundert die sinnlichen Schnitzereien an den Tempeln von Khajuraho und reist in die die Wüste Thar, die Ihr am besten mit einem Kamel erkundet. Weiter nach Osten entdeckt Ihr die steinernen Zeugnisse der Mogulkaiser. Die muslimischen Herrscher eroberten im Laufe der Jahrhunderte fast ganz Nordindien und hinterließen majestätische Prachtbauten in einem ganz eigenen Stil aus persisch-islamischen und indischen Elementen. Das spektakulärste Beispiel für die Mogul-Architektur ist das legendäre Taj Mahal in Agra, das im 16. und 17. Jahrhundert Hauptstadt des Mogulreiches war. Wenn Ihr Euch von Indiens Hauptstadt und Mega-Metropole Delhi nordwärts bewegt, könnt Ihr glänzende Sikh-Tempel wie den goldenen Tempel von Amritsar bewundern und gelangt über historische „Hill Stations“ – die einst den Kolonialherren als Rückzugsorte vor der Hitze dienten – bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln des Himalaya. Der indische Norden mit seinen kalten Wintern, und heißen Sommern ist ein Mekka für Bergliebhaber und Abenteuerlustige – perfekt für ein Trekking oder Glamping inmitten grandioser Nationalparks.

 

Tropische Naturschönheiten und prachtvolle Zeugnisse des Hinduismus

Indiens Süden ist nicht minder verführerisch und begrüßt Euch mit magischen Kulturwundern, tropischem Klima und üppiger Natur – schon beim Landeanflug werdet Ihr ein Meer von Kokospalmen sehen. An der endlos langen Küstenlinie des Indischen Ozeans finden sich bildschöne Strände – in Kerala im Westen ebenso wie in Tamil Nadu im Osten. Das Element Wasser ist im Süden ohnehin ein großes Thema: Kerala wird von einem über 1.900 km langen natürlichen Lagunen- und Kanalsystem durchzogen, das sich wie ein Geflecht aus Lebensadern durch das Land zieht und dazu einlädt, bei einer Hausboot-Tour des bunte Treiben am Ufer und auf dem Wasser zu beobachten. Oder Ihr unternehmt einen Ausflug in den Eravikulam Nationalpark, ein Paradies für Elefanten und Panther. So sehr sich die Natur des Südens von der des Nordens unterscheidet, so sehr unterscheiden sich auch die kulturellen Zeugnisse. In Madurai, Kanchipuram, Chidambaram, Tanjore und Trichy findet Ihr noch spektakulär-bunte Hindu-Tempel mit unzähligen Götterdarstellungen – in Stein und Stuck gemeißelter Hinduismus – Tempel, die in dieser Form im Norden bereits vor langer Zeit anderen Einflüssen weichen mussten. Lebendige Kolonialgeschichte könnt Ihr in den Städten Cochin und Madras (Chennai) entdecken. Hier gaben sich im Laufe der Geschichte Portugiesen, Holländer und Briten das Heft in die Hand und ließen die Städte zu bedeutenden Handelsplätzen aufblühen. Heute dienen die kolonialen Prachtbauten den Besuchern als schmucke Boutique-Hotels. Südindien begeistert mit faszinierenden Tierwelten, malerischen Stränden, beschaulichen Backwaters, verträumten Dörfern und Bergstationen inmitten von Gewürz,- Kaffee- und Teeplantagen sowie Ayurveda-Resorts, in denen die jahrtausendealte Heilwissenschaft traditionell praktiziert wird. Unser Tipp: Probiert den Monsooned Malabar Kaffee – ein Genuss für Kaffeeliebhaber!

 

Köstlichkeiten aus Nord und Süd

Indien – Land der Gewürze! Jedes noch so einfache Gericht wird mit einer immensen Auswahl an Gewürzen verfeinert. Kurkuma spielt dabei eine ebenso große Rolle wie schwarzer Pfeffer, Kreuzkümmel, Koriander und, und, und. Typisch sind currys (eintopfartige Gerichte) die in unzähligen Variationen serviert werden. Obwohl in Indien sicher mehr Vegetarier leben als im Rest der Welt zusammen und alle Vegetarier unter Euch daher bei einer Reise voll auf Ihre Kosten kommen, gibt es auch zahlreiche Currys mit Geflügel, Lamm oder Meeresfrüchten. Die kulturellen und landschaftlichen Unterschiede zwischen Nord und Süd spiegeln sich auch in der Küche wieder. Im Norden spielt Brot als Beilage eine wichtige Rolle: unzählige verschiedene Brotsorten (roti, chapati, naan, …) kommen hier auf den Tisch.

Ein typisch nordindisches Gericht ist zum Beispiel das Tandoori Chicken, da wir Euch zum Nachkochen gerne ans Herz legen möchten:

Zutaten für zwei Personen:

-       Zwei Hähnchenbrüste

-       100g Naturjoghurt

-       3 EL Tandoori-Paste

-       1 EL Erdnussöl

-       Saft einer halben Zitrone

-       Salz

-       Schwarzer Pfeffer

Joghurt, Tandoori-Paste, Erdnussöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer zu einer Marinade vermischen. Die Hähnchenbrüste damit einreiben und mindestens einige Stunden, besser aber über Nacht marinieren. Die Hähnchenbrüste aus der Marinade nehmen, die Marinade soweit abnehmen, dass noch eine dünne Schicht auf dem Hähnchen bleibt. Nebeneinander auf das Backblech legen und in etwa 30 Minuten im vorgeheizten Ofen durch garen.

Dazu passt am besten eine der indischen Brotsorten. Guten Appetit!

 

Was dem Norden das Brot ist dem Süden der Reis. Zu fast jedem Essen landet er hier in verschiedenen Variationen auf dem Teller. Im Süden besonders zum Frühstück beliebt sind Idlys – kleine, gedämpfte Reisküchlein. Die typischen Currys des Südens sind üppiger und oft mit viel Kokosmilch zubereitet. Die südliche Küche verwöhnt Euch zudem mit vielen tropischen Früchten wie Ananas, Papaya oder Mango.

Unser Rezeptbeispiel für Südindien ist ein cremiges Kartoffelcurry:

Zutaten für zwei Personen:

-       2 mittelgroße Kartoffeln

-       1 Zwiebel

-       1 Knoblauchzehe

-       2 EL Ghee oder Butterschmalz

-       1 Stück frischer Ingwer

-       2 TL Paprikapulver, edelsüß

-       ¾ TL Koriander, gemahlen

-       ¾ TL Kurkuma, gemahlen

-       1 TL Chilipulver Gewürzmischung

-       2 TL Garam Masala

-       1 TL Salz

-       Schwarzer Pfeffer

-       2 EL ungesalzene, gemahlene Cashewnüsse

-       200 ml Milch

-       125 g Sauerrahm

 

Kartoffeln in Wasser gar kochen, schälen, grob würfelig schneiden und zugedeckt beiseite stellen. Die Zwiebel so fein wie möglich würfeln und in Ghee oder Butterschmalz golden anrösten. Anschließend den Knoblauch fein hacken, den Ingwer fein reiben und im Mörser zu einer Paste stoßen. Das Ganze zusammen mit den Zwiebeln anbraten. Cashewnüsse, Chili- und Paprikapulver, Koriander, Kurkuma, Garam Masala und Salz zu den Zwiebeln geben und unter ständigem Rühren kurz mitbraten. Das Ganze mit der Hälfte der Milch ablöschen, erhitzen und kurz einkochen lassen. Sauerrahm in eine Schüssel geben und schrittweise die restliche Milch einrühren bis eine cremige Sauce entsteht, diese nach und nach in das Curry einrühren. Abschließend die Kartoffeln zugeben und kurz mitkochen.

Dazu passt am besten Reis. Wir wünschen guten Appetit!

 

Fulminante Feste

Egal für welches Ziel Ihr Euch entscheidet – gefeiert wird in ganz Indien farbenfroh und ausgelassen.

Holi – das Fest der Farben

Eines des ekstatischen Feste Nordindiens ist gleichzeitig auch eines der bekanntesten indischen Feste außerhalb des Landes. Das Holi-Fest hat bereits jahrhundertealte Tradition und findet alljährlich am ersten Vollmondtag des Monats Phalgun (Februar/März) statt. Nach dem geltenden Mondkalender markiert dieses Datum den Beginn des Frühlings – und der wird ordentlich gefeiert! Am Abend vor den Hauptfeierlichkeiten werden Freudenfeuer entzündet und Stroh-Figuren verbrannt, die die Dämonin Holika symbolisieren sollen. Am folgenden Tag es richtig zur Sache: Man besprengt oder bestreut sich gegenseitig mit Wasser und Farbpulver (gulal) – welches vorab geweiht wurde – und die Menschen tanzen ausgelassen und überbringen sich Segenswünsche. Ursprünglich entstanden die Farbpulver aus bestimmten Blüten, Wurzeln und heilend wirkenden Kräutern. Heute kommen leider immer häufiger synthetische Farben zum Einsatz. Solltet Ihr also die Chance haben, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, so empfehlen wir Euch einen Mundschutz für das ungetrübte Vergnügen. Sowie die Farben zum Einsatz kommen, scheinen sie die Menschen unabhängig ihrer Kaste, ihres Alters oder Geschlechts zu einen und machen Holi damit zu einem ganz besonderen Gemeinschafts-Fest. Der Termin für das nächste Holi-Festival ist der 21. März 2019.

 

Das Elefanten-Festival in Kerala

Solltet Ihr Indiens Südwestküste im April oder Mai besuchen, so können wir Euch eines der bezauberndsten Festivals des Südens ans Herz legen – das alljährliche Elefanten-Festival in Thrissur (Kerala). Von allen Festen, bei denen Elefanten eine Rolle spielen, ist die „Thrissur Pooram“ – wie das Fest offiziell genannt wird – das größte und prächtigste. Bereits vor über 200 Jahren initiierte der damalige Herrscher von Cochin, der Maharadscha Rama Rama, ein Tempelfest, bei dem mit großen Prozessionen zum Vadakkunnathan-Tempel in Thrissur dem Hindu-Gott Shiva gehuldigt werden sollte. Die Feierlichkeiten dauern insgesamt eineinhalb Tage und im Mittelpunkt stehen die Paraden mit den üppig geschmückten Elefanten. Die Dickhäuter werden aufwendig mit schillernden Stoffen, Goldschmuck und Sonnenschirmen geschmückt – wunderschön anzuschauen! Die Akteure teilen sich in zwei Lager – die Paramekkavu- und die Thiruvambady-Seite, welche jeweils auf einer festgelegten Route durch die Stadt ziehen – begleitet von Trommlern, Tänzern und tausenden Menschen. Am Abend des Pooram-Festes stehen sich die beiden Elefantenparaden in zwei Reihen gegenüber und ein großes Feuerwerk bildet das Ende dieses atemberaubenden Festes. Die nächste Thrissur Pooram findet übrigens am 13. Mai 2019 statt.


Unsere Expertentipps:

Ob Norden oder Süden – unsere Tipps helfen Euch bestimmt bei der Reiseplanung:

 
Beste Reisezeit: 

Die angenehmste Reisezeit für ganz Indien (außer Himalaya) beginnt Mitte September und – mit trockenen, sonnigen Tagen und milden Nächten – bis März. Im Norden – besonders in Rajasthan – können die Nächte sehr kühl werden. Jetzt ist Trockenzeit und die Luft auch im tropischen Süden weniger feucht. Heiß wird es ab Ende April bis Mitte Juni: der Vormonsun lässt Temperaturen und Luftfeuchtigkeit steigen – als Vorgeschmack auf den Monsun, der ab Mitte Mai mit heftigen Regenfällen einsetzt, die erst ab Mitte Juli nachlassen. Im Süden fällt der Monsun meist etwas moderater aus und es lohnt sich, dann die günstigen Nebensaisonpreise zu nutzen und das Land zu erkunden, das dann in voller Blüte steht. An der Südostküste gibt es von Oktober bis Dezember eine zweite Regenzeit, die das Reisen jedoch kaum beeinträchtigt.

Einreise:
Ihr braucht ein Visum für eine maximale Aufenthaltsdauer bis zu 60 Tagen. Das Visum kann online oder über die indische Botschaft beantragt werden und kostet z.Z. online US$ 50,- zzgl. Bankgebühr von 2,5%. Folgende Unterlagen werden braucht Ihr dazu: Reisepass (mindestens noch 6 Monate gültig), Online-Antrag, eingescannte Fotoseite des Reisepasses im pdf-Format, aktuelles quadratisches Porträtfoto im jpg-Format.

Zeitverschiebung:
+ 4,5 Stunden (im Sommer + 3,5 Stunden)

Safaris:
Sowohl im Norden als auch im Süden gibt es imposante Nationalparks mit seltenen, exotischen Tieren, die Ihr bei einer Safari erkunden könnt. Indiens Nationaltier – den Tiger – könnt ihr mit Glück im ganzen Land finden, jedoch ist die Chance auf eine Sichtung besonders hoch in den Nationalparks des Nordens – zum Beispiel dem Kanha Nationalpark. Weil die Flora im südlichen Indien sehr durch das tropische Klima und viel Wasser geprägt ist, gibt es hier gute Möglichkeiten, Elefanten und Panther sowie seltene oder sogar endemische Vögel zu sehen, die an den Lagunen und Seen nach Fischen suchen.



(c) Foto Thrissur Pooram / dreamstime.com
(c) Foto mit indischem Essen: Ganna Amrtysheva / dreamstime.com


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