Weihnachten in der Ferne

von Julia Andre | 10.12.2017

In die langen und dunklen Nächte leuchten Lichterketten und Kerzen. Der Duft nach Glühwein und Plätzchen zieht durch die Straßen und hier und da erklingen Glöckchen und Weihnachtslieder. Man schlendert über Weihnachtsmärkte, trinkt nach Zimt und Kirschen duftenden Glühwein und hofft darauf, dass Schnee langsam die Landschaft überzuckert und in ein Winterwunderland verwandelt. Für die meisten von uns hier in Deutschland ist Weihnachten untrennbar mit diesen Eindrücken verbunden.
Für viele Gläubige in anderen Teilen dieser Welt ist Weihnachten mit sehr unterschiedlichen Eindrücken verbunden. Pünktlich zur Vorweihnachtszeit haben wir uns nach Indien, Thailand und Indonesien aufgemacht und gefragt, was die Menschen hier mit dem Weihnachtsfest verbinden.

Was viele nicht wissen: in Indiens südwestlichstem Bundesstaat Kerala leben mehr Christen als Hindus. Und nicht erst die Kolonialmächte aus Portugal und Großbritannien haben das Christentum hierher gebracht. Der Überlieferung nach kam bereits der Apostel Thomas im Jahre 52 nach Christus in die Gegend des heutigen Kerala und gründete dort sieben Kirchen – die älteste darunter im Dorf Azhikode ist heute ein bedeutender Pilgerort.

Bei der Familie von Joseph – die das The Nattika Ayurveda Beach Resort betreibt – fragen wir nach einem typischen Weihnachtsfest. „An Heiligabend besuchen wir die Mitternachtsmesse in unserer Kirche. Am ersten Feiertag kommt dann die ganze Familie zu einem großen festlichen Mittagessen zusammen.“ Ähnlich feiert auch die Familie von Jaison, die das Somatheeram Ayurvedic Health Resort ihr Eigen nennt. „Die Vorweihnachtszeit ist zunächst Fastenzeit bei uns. Was wir am meisten begehren – darauf sollen wir vom ersten bis zum 24. Dezember verzichten. Das eigentliche Fest beginnt mit dem Besuch der Christmette um Mitternacht. Die Kirche ist wunderbar geschmückt mit einem Weihnachtsbaum und einer Krippe. Ein bedeutender Bestandteil unserer Feierlichkeiten ist der traditionelle Pflaumenkuchen, der mit vielen Gewürzen verfeinert wird: Nelken, Kreuzkümmel, Muskatnuss, Kardamom und Rosinen. Nach der Mette wird der Kuchen noch in der Kirche angeschnitten und verteilt. Ebenso ist es Tradition, am ersten Feiertag seine Nachbarn, Freunde und die weitere Familie zu besuchen und einen dieser „Weihnachtskuchen“ mitzubringen.“

So viele Parallelen zu unserem Fest sich hier erkennen lassen, so unterschiedlich sind doch die äußeren Umstände. Weihnachtsmärkte und Glühwein wird man hier nicht finden – von einem Winterwunderland ganz zu schweigen! Die Temperaturen liegen im Schnitt bei 28°C; die Luft ist tropisch schwül. Der Geruch nach Zimt kann einem zwar durchaus begegnen, jedoch statt in Verbindung mit selbstgebackenen Plätzchen eher bei den vielfältig gewürzten einheimischen Gerichten.

Knapp dreitausend Kilometer weiter östlich – auf der thailändischen Insel Koh Yao Noi – lebt und arbeitet Joe für das Hotel Paradise Koh Yao. Vor über dreißig Jahren kam der gebürtige Schweizer nach Thailand. „Ursprünglich komme ich aus Appenzell und auch heute denke immer wieder gerne an die Weihnachtstage in der Heimat zurück. Mein Vater hatte immer den klassischen Schinken im Brotteig zubereitet. Ich schwelge noch manchmal in Erinnerung an diesen wunderbaren Duft und das Ambiente bei uns in der guten Stube. Die ganze Familie machte sich nach dem Festmahl auf den Weg durch die verschneite und in warmes Licht getauchte Hauptstraße zur Weihnachtsmesse. Dies gehörte zur alljährlichen Weihnachtstradition ebenso wie das Auspacken der Geschenke vom Christkind unter dem Tannenbaum.

In Thailand zelebrieren wir das Weihnachtsfest mit genau so viel Liebe. Statt Schnee und Kälte haben wir hier den schneeweißen Sandstrand, glasklares Wasser, traumhaften Sonnenschein und ein herrlich weihnachtlich dekoriertes Resort.

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Thais von buddhistischem Glauben ist und daher die Geburt Jesu keine Rolle spielt, feiern wir natürlich mit unseren hauptsächlich europäischen Gästen am 24. Dezember Weihnachten. Es gibt frischgebackene Kekse und abends ein festliches Weihnachtsbuffet mit thailändischen und internationalen Köstlichkeiten. Am ersten Feiertag kommt der Weihnachtsmann mit einem Longtail Boot über das Meer gefahren und schiebt anschließend einen weihnachtlich dekorierten Buggy unter Glockengeläute durch das Resort, um den Kindern Geschenke zu bringen. Es ist Tradition, dass jedes Jahr zu Weihnachten der Chor der lokalen Schule der Insel eingeladen wird und diverse Weihnachtslieder zum Besten gibt. Allerspätestens wenn die Kinder Jingle Bells anstimmen und unsere Gäste das Festtagsmahl bei warmem Kerzenlicht am Strand genießen, ist es um jeden geschehen und man versinkt in dieser sehr exotischen Weihnachtstraumwelt.“

Südlich des Äquators feiern auch Yudi und Adrienne gemeinsam das Weihnachtsfest. Der Indonesier und die Australierin haben sich über die kleine protestantische Gemeinde auf der Insel Bali kennengelernt und freuen sich auf die kommenden Feiertage: „Hier im mehrheitlich hinduistischen Bali zeigt sich die Weihnachtszeit natürlich nicht so deutlich wie in den mehrheitlich christlichen Ländern dieser Welt. Doch auch hier sieht man gelegentlich festliche Dekoration und Lichterketten. Ähnlich wie die anderen christlichen Familien hier, besuchen wir zunächst gemeinsam den Weihnachtsgottesdienst. Anschließend gibt es ein selbstgemachtes Essen und wir tauschen unsere Geschenke aus.“ Beide verbinden Weihnachten natürlich ebenfalls nicht mit Schnee und Kälte. Obwohl hier gerade Regenzeit ist, wird es selten kälter als 25°C. „Schnee kennen wir eigentlich nur aus dem Fernsehen.“, lacht Adrienne. „Ähnlich wie in meiner Heimat Australien gehen wir hier zum Weihnachtsspaziergang an den Strand. Natürlich in Shorts!“

Einiges an den Eindrücken mag uns an unser eigenes Weihnachtsfest erinnern – einiges mag uns hingegen fremd und exotisch vorkommen. Was jedoch überall gleich zu sein scheint – egal ob nun unter Palmen oder im Schnee – ist das besondere, das festliche daran. Man freut sich auf die Feiertage mit den Lieben und würdigt diese mit einem speziellen Festmahl. Ob das nun aus Würstchen mit Sauerkraut, Massaman Hühnchen oder Schinken im Brotteig besteht – spielt dabei keine Rolle!

 

Habt Ihr Weihnachten auch schon einmal ganz anders gefeiert? In der Ferne oder einfach mit anderen Traditionen? Erzählt uns davon - wir sind schon gespannt!


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